Resilienz – eine Herzensangelegenheit

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Elmar Klebanowski, Coach und Trainer bei teamact
Elmar Klebanowski, Coach und Trainer bei teamact

 

Mein Kernthema im Bereich Resilienz:

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema „Widerstandsfähigkeit entwickeln“. Lange habe ich dies im Kontext der beruflichen Rehabilitation gemacht. Also an der Stelle, an der das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, bzw. das Burn-out oder die Erschöpfung schon sehr weit fortgeschritten sind.

Dabei hat mich natürlich die Frage, warum die Mitarbeiter nicht früher kommen oder besser, warum die Mitarbeiter erst so spät bemerken, dass etwas im Argen ist, intensiv beschäftigt. Die gängigen Antworten „Das ist den meisten zu unangenehm, sich einzugestehen, dass sie nicht mehr so leistungsfähig sind.“, oder „Alle sind so im Hamsterrad der Erschöpfung, sodass dies als Normalzustand wahrgenommen wird.“, reicht als Erklärungsmuster nicht aus.

Ich möchte behaupten, dass es nahezu fast unmöglich ist, das beginnende Burn-out selber wahrzunehmen.

Warum ist das so?

Implizit gehen wir alle von der Idee aus, dass wir ein Energiefass haben, welches zu einem bestimmten Prozentsatz gefüllt ist. Wenn wir gerade eine arbeitsintensive Zeit haben, dann kann es sein, dass statt der sonst gefühlten 80 % Füllung der Füllstand sich im Moment eher nach 30 oder 40 % anfühlt. Vielleicht denken wir sogar: „Wenn der Füllstand noch weiter runtergeht, dann ergreife ich Maßnahmen.“ Doch mit dieser Idee des Energiefasses befinden wir uns schon im Trugschluss.

Unser Energiehaushalt funktioniert eher nach dem 2-Batterien-Modell, jeder Ausdauersportler kennt das. Man beginnt mit dem Laufen und ist an Batterie A „angeschlossen“.

Nach einer Weile (je nach Fitnessstand) kommt die erste Erschöpfung. Man hält durch und nach einer Krise (Lustlosigkeit, Schmerz, etc.) springt nun Batterie B an. Manchmal wird dieses Phänomen auch „Second wind“ genannt. In einem gesunden „Body-Mind“-System lädt sich Batterie A während der Entladung von B wieder auf, sodass ein Regelkreislauf entsteht, der die Energieversorgung sicherstellt.

In einem beginnenden Burn-out, schafft es Batterie A nicht mehr, sich komplett aufzuladen während B läuft. Was passiert, ist ein sehr, sehr schleichender Energieverlust, der immer wieder dadurch abgedeckt wird, dass neue Energie beim Wechsel der Batterien spürbar ist.

Die häufigsten Fragestellungen:

Ohne Feedback von außen ist es nahezu unmöglich das beginnende Burn-out zu bemerken. Das erklärt auch, warum zum Beispiel Therapeuten, die sicherlich eine sehr gut ausgebildete Selbstwahrnehmung besitzen, nicht vor dem Burn-out geschützt sind.

Wo kann das Feedback von außen herkommen?

Eigentlich nur von der Führungskraft. Natürlich ist das Thema „Erschöpfung“ auch für Führungskräfte ein heißes Eisen: „Wie soll ich so was ansprechen? Ich möchte doch niemanden bloßstellen.“ So oder so ähnlich klingen die Botschaften in Führungskräfte-Trainings, die ich häufig höre. Und natürlich haben diese Führungskräfte recht.

Es bedarf einer großen Klarheit und Sensibilität, zu bemerken, wann die ersten Symptome der Veränderung eintreten. Der Mitarbeiter schafft seine Arbeit nicht mehr wie gewohnt, kommt häufiger zu spät zu Meetings, wirkt schlecht gelaunt und unzufrieden, meidet den Kontakt zu Kollegen, etc.
Diese ersten Anzeichen wahrzunehmen und zurück zu spiegeln, ohne anzuklagen, sondern mit Einfühlungsvermögen und Lösungsorientierung, gehört zu den wichtigen Aufgaben einer Führungskraft.
Wird das Thema jedoch vermieden, finden sich diese Personen plötzlich in Zeitmanagement-Seminaren wieder, in denen es um Optimierung geht. Schaut man sich den Personenkreis der von Burn-out bedrohten Mitarbeiter an, erkennt man, dass es hier um die Leistungs- und Kulturträger im Unternehmen geht. Mitarbeiter, die höchste Ansprüche an sich und die Arbeit haben, die gerne anderen helfen und zum Perfektionismus neigen.

So stellen wir fest, dass im Business-Coaching meistens das Thema durch die Führungskraft angestoßen wird. Manchmal als Team-Event: „Wir haben so eine intensive Arbeitsphase hinter uns, wir müssen uns unbedingt regenerieren“ oder als Einzelcoaching: „Ich brauche meinen alten Mitarbeiter zurück.“
Der leider immer noch größte Teil der Betroffenen erscheint jedoch bedauerlicherweise erst nach der medizinischen Rehabilitierung zum Coaching. Bestenfalls haben sie in der medizinischen Reha ihre Batterien wieder aufgefüllt und wissen, wie sie in die Erschöpfung hineingelangt sind. Eine Begleitung in die alte oder neue Tätigkeit findet jedoch nur in den seltensten Fällen statt.

Mein Vorgehen – meine Methoden:

Das heißt, im Coaching geht es um Umsetzung und Nachhaltigkeit. Hier wird am Perfektionismus, am Mechanismus, es allen recht machen zu wollen, am Grenzen setzen und aufrechterhalten, Konflikte sachgerecht lösen und an der Work/Life-Balance gearbeitet.

Häufig bedarf es auch einer Überprüfung des Selbst- und Fremdbildes.

Dabei haben sich Methoden aus der humanistischen Psychologie, dem NLP, der systemischen und lösungsorientierten Fragetechnik, dem Rollenspiel und vielem mehr bewährt.

Mein Fokus liegt dabei auf der systemischen Einbeziehung aller Umweltfaktoren. Für die Einzelarbeit ist das Zeitlassen für Entwicklungen entscheidend. Dem Hamsterrad entkommt man am besten, indem man den Einstieg meidet und frühzeitig die Vorläufer erkennt und gegensteuert.