„Beziehungen stärken“ hilft, Konflikte zu vermeiden

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Was fällt auf, wenn man Konfliktbeteiligte nach den Auslösern von Konflikten fragt? Dann stellt man fest, dass Konflikte oft als ein bestimmtes, für unangemessen gehaltenes Verhalten beschrieben werden.

Da gibt es dann Sätze wie „Der macht immer nur sein Ding.“ oder „Der sieht nicht, wie es den Anderen damit geht.“ oder „Der macht alles nur für seine Karriere.“

Als Coach hat man das Glück, in vielen verschiedenen Organisationen tätig sein zu dürfen und dadurch eine Vielzahl von Kulturen kennenzulernen. Und genau das oben beschriebene Verhalten wird in anderen Teams/Organisationen belächelt, großzügig übersehen oder auch klar und deutlich angesprochen.

Manchmal entsteht aus solch einem Verhalten ein schwerwiegender Konflikt und manchmal eben nicht. Woran liegt das eigentlich? 

Ein als unangemessen empfundenes Verhalten braucht als Nährboden eine Beziehung, die unklar oder auch mit Misstrauen behaftet ist, damit ein Konflikt entstehen kann. Erst dann entsteht der notwendige „Raum“, um Verhalten „falsch“ zu deuten oder eben auch nicht das klärende Gespräch zu suchen.

Wenn die Kollegen offen, vertrauensvoll, ehrlich und direkt miteinander umgehen, hat der Konflikt kaum eine Chance, sich zu entwickeln.

Die aktive Pflege der Arbeitsbeziehungen ist entscheidend für das Klima, in dem Teams arbeiten. Die Pflege von Beziehungen braucht Zeit und Raum.

Und genau an dieser Stelle liegt häufig das Dilemma. In Zeiten, in denen die Arbeitsbelastungen sehr hoch werden, verschiedene Changeprozesse laufen, bleibt für diese essenzielle Pflege der Arbeitsbeziehungen keine Zeit mehr.

Wie kann jetzt eine Lösung aussehen, wenn der Konflikt schon weiter vorangeschritten ist?

Als Coaches in Konfliktsituationen versuchen wir immer zuerst, die Partner wieder miteinander in Kontakt zu bringen. Dabei ist es oft sehr hilfreich, Fragen zu stellen, die den Coachees helfen, mit Erinnerungen über eine gelungene Zusammenarbeit in Kontakt zu kommen:

  • „Gab es eine Zeit, in der die Zusammenarbeit gut war?“
  • „Wann war die Stimmung zuletzt gut?“
  • „Wie war die Zusammenarbeit zu Beginn?“

Die Anknüpfung an solche Erinnerungen lässt die Überzeugung, dass es eine für beide Seiten passende Lösung geben kann, wachsen. „Wir hatten schon mal eine gute Zusammenarbeit, wie können wir dahin zurückkommen?“ ist als Fragestellung viel leichter zu lösen, als etwas ganz Neues zu entwickeln.

In den Meinungen, Standpunkten oder Überzeugungen überwiegen immer die Unterschiede zwischen Personen. Gelingt es dem Coach, die dahinter liegenden Bedürfnisse und Wünsche herauszuarbeiten, dann treten die Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten in den Vordergrund. Auf dieser Grundlage können dann die unterschiedlichen Meinungen, Herangehensweisen viel besser akzeptiert werden, da es ein grundsätzliches Verständnis für die Person gibt.

Miteinander in Beziehung zu sein, bedeutet wahrzunehmen, dass das eigene Verhalten Auswirkungen auf den Partner hat. In einem Team oder auch in einer Organisation ist niemand eine Insel. Wir leben in einer Arbeitswelt der Wechselwirkungen. Bewusst oder unbewusst reagieren wir ständig auf unsere Partner. Die eigene Rolle (als Führungskraft oder auch als Teammitglied) anzunehmen, bedeutet diese Wechselwirkungen wahrzunehmen, um in eine bewusste Steuerung dieser zu gelangen. Den Kopf in den Sand zu stecken, Beziehungen und deren Wirkungen zu ignorieren, bedeutet nur, sich der proaktiven Steuerung zu entziehen und damit weniger Einflussmöglichkeiten zu haben.

Als Mensch wollen wir verstanden werden, um uns auch selber besser zu verstehen. Als Coach helfe ich, diesen Prozess wechselseitig in Gang zu setzen, um nachhaltige, gute Arbeitsbeziehungen zu etablieren und dadurch Konfliktprophylaxe zu betreiben.

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