Resilient durch die Krise?!

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Liebe Kundinnen und Kunden, liebe teamact-Freunde,

bevor ich mich dem heutigen Thema „Resilient durch die Krise“ widme, möchte ich eine Begegnung mit der Künstlerin L. Kött-Gärtner teilen, die aus meiner Sicht ganz wunderbar zu unserem heutigen Thema passt.

Mit fließenden, ja tanzenden Bewegungen hat die Bildhauerin mich die kleine Skulptur „Alles fließt“ in ihrem Atelier erleben lassen.

Der begleitende Text aus dem Buch „Vertrau’ deiner Kraft“ lautet:

„Dem Fluss des Lebens trauen. Im Einklang sein mit dem großen Ganzen, dem ständigen Wandel, dem Prinzip des Lebens!“

Oft, sehr oft habe ich diese Skulptur – die in meinem Büro steht – in der Hand und denke an diesen intensiven Moment zurück.

Spätestens am 15.04.20 ist uns allen in der Tiefe bewusst geworden, dass wir noch sehr lange von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sein werden.

Ich habe mich in der Zeit um Ostern gefragt: Wo stehe ich in der Veränderungskurve? Meine Antwort auf diese Frage kommt später – lassen Sie uns zunächst mit der bekannten Veränderungskurve beschäftigen.

Teil I: Die Veränderungskurve

Bitte sehen Sie die Texte und Fragen als Impulse für mehr Verständnis für Ihre Mitarbeitenden, Kolleginnen und Kollegen und natürlich auch zur Selbstreflexion.

1. Schock

Konfrontation mit neuen Rahmenbedingungen, einer neuen Situation, die eine maßgebliche Veränderung bedeutet – z. B. mit den Maßnahmen rund um die Corona-Pandemie.
Die wahrgenommene, eigene Kompetenz sinkt, wenn die bisherigen Verhaltensmuster nicht zu der neuen Situation passen („Kompass“ stimmt nicht) – z. B. wenn ich plötzlich im Homeoffice bin.

☐  Woran erkenne ich, dass sich jemand im Schock befindet?
   →  z.B. an der Sprache: „Das ist ja alles ganz furchtbar!“

☐  Was kann ich ganz konkret tun?
   →  Verstehen, Trost spenden oder einfach „da sein“.

2. Verneinung/Ablehnung

Verneinung/Ablehnung der Veränderung, verbunden mit der inneren Haltung, dass diese Veränderung nicht notwendig ist. Die wahrgenommene, eigene Kompetenz steigt.

☐  Woran erkenne ich, dass sich jemand in der Phase der Verneinung/Ablehnung befindet? 
   →  z. B. am Verhalten, der Kommunikation: Situation herunterspielen im Sinne von: „Bei uns wird das nicht so schlimm!“

☐  Was kann ich ganz konkret tun?
   →  Konkrete Auswirkungen beschreiben – jedoch ohne zu verängstigen.

3. Rationale Einsicht

Notwendigkeit der Veränderung wird erkannt, dadurch sinkt häufig die eigene Kompetenz. Kurzfristige Lösungen werden gesucht, es gibt meist noch wenig Willen, die eigenen Verhaltensweisen zu verändern.

☐  Woran erkenne ich, dass sich jemand in der Phase „Rationale Einsicht“ ist?
   →  z. B. am „Verantwortung ablehnenden Verhalten“: „Das muss alles die Regierung regeln“.

☐  Was kann ich ganz konkret tun?
   →  Das „Warum“ erklären, damit der Sinn der Veränderung des eigenen Verhaltens klarer wird.

4. Akzeptanz (Emotionale Einsicht: „Tal der Tränen“)

Diese Phase wird auch als „Krise“ (griech.: „entscheidende Wendung“) bezeichnet.
Das erste Gefühl ist: „Es gibt kein Zurück!“
In dieser Phase können bisher ungenutzte Potenziale entdeckt und genutzt werden, wenn eigene Verhaltensweisen hinterfragt werden.
Wenn dies nicht gelingt, kann es zu einer erneuten Ablehnung kommen. Dadurch werden Veränderungsprozesse häufig verzögert oder gar gestoppt.

☐  Woran erkenne ich, dass sich jemand im Tal der Tränen befindet?
   →  z. B. am „sich alleine in der Situation fühlen, sich „einigeln“ etc.

☐  Was kann ich ganz konkret tun?
   →  Unterstützung beim Wendepunkt (zuhören, stärken, Unterstützung anbieten)

5. Ausprobieren, lernen

In dieser Phase wird durch emotionale Akzeptanz die Bereitschaft für Veränderung freigesetzt, somit können neue Verhaltensweisen ausprobiert werden. Die wahrgenommene, eigene Kompetenz steigt durch kontinuierliches Üben und Ausprobieren.

☐  Woran erkenne ich, dass jemand Neues ausprobieren möchte?
   →  an Kommunikation wie z. B.: „Das können wir doch mal so versuchen!“

☐  Was kann ich ganz konkret tun?
   →  Unterstützten, begleiten, kleine Schritte wertschätzen

6. Erkenntnis, Commitment

Durch das Ausprobieren der neuen Verhaltensmuster werden neue Informationen gesammelt und z. B. mit der Führungskraft reflektiert: „Welche Verhaltensmuster sind in welcher Situation angemessen?“ Dies ermöglicht eine hohe Flexibilität in
Bezug auf das eigene Verhalten und steigert die wahrgenommene, eigene Kompetenz.

☐  Woran erkenne ich, dass sich jemand erste Erkenntnisse generiert?
   →  Feedback wie z. B: „Das klappt schon gut – wir sind auf einem guten Weg.“

☐  Was kann ich ganz konkret tun?
   →  gemeinsame Reflexion, Feedback geben, Erfolge feiern

7. Integration

Die neuen Denk- und Verhaltensmuster werden völlig integriert, so dass sie als
selbstverständlich erachtet werden.

☐  Woran erkenne ich, dass Denk- und Verhaltensmuster integriert werden?
   →  Haltung/Kommunikation: „Diese Veränderung hat uns nach vorne gebracht!“

☐  Was kann ich ganz konkret tun?
   →  Analyse, Veränderung stärken, In der Tiefe neue Prozesse etablieren, Erfolge feiern, Ausblick/Sicherheit geben

Teil II: Resilienz-Impulse zum besseren Umgang mit der Corona-bedingten Situation

Obgleich wir aktuell „überall“ Tipps & Impulse zur Resilienz lesen, hören und sehen können und im Grunde genau wissen, wie es geht, bündele ich Ihnen Fragen zur Reflexion.

Denn:

„Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden.
Es ist nicht genug, zu wollen – mann muss es auch tun!“

Johann Wolfang von Goethe

Haltung

☐  Meine positive Einstellung
   →  Was gibt es Gutes an meiner jetzigen Situation? (z. B. flexiblere Arbeitszeit)
   →  Was darf ich aktuell lernen? Wo liegt mein persönliches Entwicklungspotenzial?
   →  Wem möchte ich heute durch einen Anruf, einen Brief oder eine kurze Nachricht mit meiner positiven Einstellung anstecken?

Werte

☐  Mein Leuchtturm
   →  Welcher meine Werte ist für mich aktuell besonders wichtig und gibt mir Halt?
   →  Was tue ich, um diesen Wert zu schützen?

Achtsamkeit

☐  Meine Bedarfe
   →  Wie erlebe ich mich selbst?
   →  Was bereitet mir Freude?
   →  Was braucht mein Körper, meine Seele und mein Herz?

Krisentalente

☐  Meine Stärken, Ressourcen & Talente
   →  Was gelingt mir aktuell besonders gut – vielleicht besser, als ich dachte?
   →  Welche verdeckten Talente entdecke ich oder andere gerade an mir?
   →  Was möchte ich unbedingt mit in „normale Zeiten“ transferieren?

Erwartungen anpassen

☐  Weniger Druck
   →  Was ist die Erwartung anderer an mich? Was ist meine Erwartung? Und was ist „nur“ eine Erwartungserwartung, mit der ich mich unbewusst unter Druck setze?
   →  Wie komme ich aus dieser „Schleife“ raus?

Pausen, Auszeiten nehmen

☐  Mehr Entspannung
   →  Wieviele Pausen brauche ich in dieser Situation? Wann brauche ich Pausen und wie lange?
   →  Was hilft mir dabei, mir diese Pausen zu „erlauben“?

Neuer Kompass

☐  Entscheidungen treffen
   →  Wie richte ich meinen neuen Kompass aus?
   →  Welche Entscheidungen sind jetzt zu treffen?

Struktur

☐  Mein Kompass
   →  Wie sieht mein neuer Kompass aus?
   →  Wo brauche ich mehr Struktur?
   →  Wo darf ich meinen bisherigen Tagesablauf lockern?
   →  Welche Bedürfnisse, die sich mit meiner Situation (Job, Familie etc.) vereinbaren lassen, habe ich aktuell und möchte ich in meinem Leben integrieren?

Nähe – Distanz

☐  Durch Präsenz die Distanz überbrücken
   →  Welche Menschen stärken mich? Wen möchte ich stärken?
   →  Wie gelingt es mir persönlich am besten, die räumliche Distanz zu überbrücken?

Wahrnehmung

☐  Natur
   →  Welche Geräusche höre ich, wenn es still ist?
   →  Welche Farben nehme ich wahr?
   →  Was spüre ich beim Gang durch die Natur?

Wellness

☐  Bewegung
   →  Welche Sportart tut mir gut?
   →  Wie gelingt es mir, den „inneren Schweinehund“ zu überlisten?

☐  Ernährung
   →  Worauf verzichte ich in der aktuellen Situation ganz bewusst?
   →  Was stärkt mein Wohlbefinden und tut mir (auch mittelfristig) gut?

Unterstützung annehmen

☐  Persönliche Weiterentwicklung
   →  Wer kann mich jetzt unterstützen?

Und zum guten Schluss möchte ich noch die Frage beantworten:

„Wo stehe ich?“

Auf der einen Seite bin ich bei meinen Corona-bedingten Veränderungsprozessen schon sehr weit in Bezug auf die Säulen:

  • die Kundenprojekte unter den aktuellen Bedingungen gemeinsam mit unseren Kunden weiterentwickeln
  • für das teamact-Team da sein und teamact gut durch diese Krise navigieren
  • das teamact-Angebot weiterentwickeln und somit teamact gut aufzustellen für die Zukunft.

Auf der anderen Seite durchlaufe ich die Veränderungskurve „vorwärts, rückwärts mit vielen Side-Steps“… und lasse mich aus diesem Grund extern begleiten.

In anderen Worten: Wir sitzen alle im gleichen Boot – wichtig ist es jedoch, das Ruder in der Hand zu halten, sich bei Bedarf Unterstützung zu holen und sich, bewusst zu machen, wo wir gerade stehen, was wir schon alles erreicht haben! Wir alle machen aktuell unter komplexen Bedingungen einen sehr guten Job – da haben wir ein Lob verdient, oder?

In den Worten einer geschätzten Kundin von mir: „Not so bad at all!“

Das Thema des nächsten Blogartikels ist noch offen – somit frage ich Sie:
Welches Thema ist für Sie wichtig? Womit darf ich Sie unterstützen?
Ich freue mich über Ihre Nachricht: conrad@teamact.de oder einen Anruf: 0151/21246996.

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!

Ihre