Souveräner Auftritt von Anfang an – Rollenklarheit im Business (Teil 2)

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Liebe Kulturwandler,

eine Premiere ist immer etwas Besonderes, ein Ereignis, das selbst alte Theaterhasen nervös machen kann. Das Lampenfieber steigt und nicht umsonst gibt es so viele Wünsche und Rituale, bevor der Vorhang sich für die erste Vorstellung hebt. „Toi, toi, toi“, „Hals- und Beinbruch“, „dreimal über die linke Schulter spucken“, …

Wie bereiten sich Theaterschauspielerinnen und -schauspieler auf diesen ersten Auftritt in einer neuen Rolle und in einem neuen Stück vor? Und was hat das mit der Businessbühne zu tun?

Schauspielerinnen und Schauspieler proben ihre Rolle oft wochenlang vor der ersten Aufführung. Und bevor sie dann die Bühne für die Premierenvorstellung betreten, liegt eine weitere intensive Vorbereitung für diesen ersten Auftritt hinter ihnen.

In der Garderobe gehen sie ihren Text noch einmal durch, im Off (also hinter dem schwarzen Vorhang) vergegenwärtigen sie sich intensiv die Gefühle und die Haltung ihrer Figur.

Wer eine Führungsposition und damit eine neue Rolle übernimmt, steht vor einer ähnlichen Herausforderung wie die Schauspielerin/der Schauspieler: Vom ersten Moment an einen sicheren, souveränen und kompetenten Eindruck zu hinterlassen, schon bei der Premiere ihre/seine Rolle überzeugend auszufüllen und zu leben.

Die Leitung der ersten Teamsitzung ist daher oft der erste richtungsweisende Meilenstein. Wie im Theater ist auch auf der Businessbühne die Einstimmung auf die neue Rolle, die Konzentration auf die ersten Sätze und Handlungen sowie die Wahrnehmung und Steuerung der eigenen Haltung von entscheidender Bedeutung.

Paul Watzlawick erkannte, dass man nicht „nicht kommunizieren“ kann. Über die nonverbale Kommunikation sende ich bewusst oder unbewusst vielfältige Signale. So ist nicht nur, was ich sage, sondern vor allem auch, wie ich etwas sage, ausschlaggebend für den Eindruck, den meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von mir in meiner neuen Führungsrolle haben.

Das Raumverhalten ist ein wichtiger Teil der nonverbalen Kommunikation.

Die Proxemik beschäftigt sich mit Signalen von Individuen, die sie durch das Einnehmen einer bestimmten räumlichen Distanz zueinander austauschen. So wird das zwischenmenschliche Verhältnis dadurch bestimmt, ob sich Personen an die ihrer Kultur entsprechenden Abstände halten oder nicht. Auch mit Blickkontakt, der Zu- oder Abwendung der Körper und Berührungen kommuniziere ich und beeinflusse die Interaktion mit meinen Gesprächspartnerinnen und -partnern. 

Neben der Wahl der Worte wirkt sich auch die Sprechmelodie darauf aus, wie ich wahrgenommen werde. Die Prosodie ist eine wichtige Komponente der verbalen Kommunikation und beschäftigt sich mit den lautlichen Strukturen von Sprache. Sie umfasst Betonung und Intonation – also den „Tonfall” – die emotionale „Färbung” des Sprechens, Rhythmus und Pausen. Sie ist abhängig von der Stimmung der Sprecherin/des Sprechers und dem Kontext und kann die buchstäbliche Bedeutung von Sätzen und Wörtern modifizieren.

Meine Coachees und ich analysieren und reflektieren zunächst die einzelnen Aspekte der individuellen (Körper-)Sprache:

  • Mit welcher Haltung – innere wie äußere – betrete ich einen Raum und überzeuge mit meinem ersten Eindruck?
  • Wie drücke ich mit meiner Körperhaltung gelassene Souveränität aus?
  • Mit welchen Worten und mit welcher Tongebung spreche ich mein Team an?
  • Wie setze ich Blickkontakt so ein, dass alle sich angesprochen fühlen?
  • Wie werde ich unnötige Spannung los, indem ich meinen Atem bewusst einsetze?

Wie bei einer Theaterprobe proben wir dann praxisrelevante Szenen mehrmals. Aus der Perspektive einer Regisseurin beschreibe ich, wie ich das Verhalten meiner Coachees wahrnehme, biete ihnen die Möglichkeit, Verhaltensänderungen auszuprobieren und reflektiere gemeinsam mit ihnen die bestmögliche Option. Um die Ergebnisse zu festigen, folgt ein Training des Erlernten bis meine Coachees die notwendige Routine haben, die ihnen Sicherheit in der tatsächlichen Situation geben wird und die Rollenübernahme gelingen lässt.

In diesem Sinne: „Toi, toi, toi!“

Herzlichst

Ihre

Barbara Müller

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PS: Interessiert Sie auch der erste Teil? Dann geht es hier zum Artikel.